Man sieht es dem Sensor für die Fernbedienung
am Fernsehgerät nicht so direkt an, aber er würde auch auf radioaktive
Strahlung reagieren. Nur ob es zum Programmwechsel reicht, wenn man ein Stück
Pechblende davor hält, das ist eher fraglich. Aber eine Solaranlage auf dem
Dach macht es ja vor, wie man durch Einsammeln von niedrigenegetischen Strahlungsquanten
sogar zur Energieversorgung beitragen kann.
Eigentlich ist die Idee schon eine gewisse
Zeit alt. Schon kurz nach dem die Atomkatastrophe in Tschernobyl passiert war,
tauchten in Elektronik-Bastelzeitschriften Bauanleitung für Geigerzähler auf.
Schon damals waren Anleitungen dabei, die statt des sonst üblichen Geiger-Müller
Zählrohrs eine Photodiode als Detektor benutzten. Dass das geht, liegt
schlichtweg daran, dass fast bei jedem radioaktiven Zerfall auch Gammastrahlung
entsteht, eine elektromagnetische Strahlung, die noch viel besser als das
sichtbare Licht in einem Halbleiter Ladungsträger generieren kann. Dazu braucht
man dann auch viel weniger Strahlungsquanten als beim sichtbaren Licht, es
reichen einzelne, wenn man das Signal genug verstärkt. Aber genau in der
Verstärkung liegt die Herausforderung. Und deswegen war auch lange Zeit das
Geiger-Müller Zählrohr der Detektor der Wahl.
Aber das hat sich geändert dank der modernen
Elektronik. Der Boom der Händies und des Internet ist wahrscheinlich dafür
verantwortlich, dass es heute billige hochintegrierte Verstärker gibt, welche
in einem wenige mm großen Mikrochip die nur wenige Nanoampere starke und
Mikrosekunden andauernden Signale so zu verstärken, dass der berühmte hörbare
Knacks daraus entsteht. Im Prinzip ist es die gleiche Herausforderung wie aus
einem transatlantischen Glasfaser-Kabel auf
der Empfängerseite noch die Bit von der Sendeseite zu erkennen.
Dass das heute mit einfachen und billigen
Mitteln geht ist auch ein Graus für alle die, welche die Gefahren der
technischen Radioaktivität vor der Bevölkerung verstecken wollen. Damit können
nämlich nun auch normale Leute aus der Bevölkerung mit wenig Geld sofort sehen
was Sache ist. Denn es gibt kaum eine bessere Nachweismethode für kleinste
Verunreinigungen mit Radionukliden, die man nicht mit einem so gestrickten Halbleiterdetektor
nachweisen kann. In der Biologie und Medizin wird das schon lange benutzt um
Moleküle und Zellen radioaktiv zu markieren und zu verfolgen – mit einem
„Tracer“ wie es so schön in der Fachsprache heißt. Das Equipment zum Nachweis
kostete bisher allerdings Tausende, wenn
nicht gar Millionen von Euros. Aber mit den neuen Halbleitern ist dieser Spuk
nun glücklicherweise vorbei. Mit der richtigen Photodiode und dem richtigen
Verstärker kann heute auch ein Gymnasiast von seinem Taschengeld ein Gerätchen
zusammenbasteln, mit dem man relativ einfach Uran in kleinsten Mengen, wie es auch
in der Natur vorkommt, nachweisen kann.
Die Frage ist nur, woher hat der Gymnasiast
das Wissen wenn es ihm in der Schule (mit G8) keiner mehr sagt? Wieder müssen
wir sagen: Glücklicherweise gibt es das Internet. Ironischerweise wurde das
Internet vom amerikanischen Militär erfunden (Defense Advanced Research
Projects Agency, DARPA). Aber es braucht auch den Opensource Gedanken, sonst
gäbe nämlich auch kein Wikipedia oder Open Street Map.
Zumindest ist die Opengeiger Webseite und die
Erklärungen zum Stuttgarter Geigerle ein Versuch, der Jugend die Chance zu
geben, sich durch Wissen und durch eigene Versuche von gewissen Machteinflüssen
aus der Industrie und Politik zu lösen. Und es wäre ein etwas sinnvollerer
Freizeitspaß als Facebook, Ballerspiele und Komasaufen. Für Lehrer und andere
engagierte Erwachsene könnte das auch eine Gelegenheit sein mit dazu
beizutragen. Denn vielleicht liegt es ja nur daran, dass wir uns keine Zeit
mehr für die Jugend nehmen.
Ein andere Aspekt zum Stuttgarter Geigerle ist
auch die Erkenntnis aus dem Safecast Projekt, welches nach der Fukushima
Katastrophe entstanden ist, dass das dezentrale geo-referenzierte Erfassen von Dosisraten
durch viele Mitglieder einer offenen Community eine äußerst schwierige Angelegenheit
ist. Das liegt mit daran, dass jedes Gerät was anderes misst und die meisten
Gerätehersteller das Innenleben und die genaue Funktion, die zur Beurteilung
nötig wären nicht offenlegen. Ein Referenzgerät, dessen Innenleben proprietär
ist, macht keinen Sinn. Deswegen soll mit dem Stuttgarter Geigerle auch gezeigt
werden, dass man eine kostengünstige Referenz eher dadurch schaffen kann, dass
man die Elektronik und die Theorie dahinter offenlegt. Das ermöglicht der
Community nicht nur die korrekte Bewertung sondern auch die viel einfachere Möglichkeit
das Referenzdesign zu optimieren.
http://www.opengeiger.de